Vorwort der Nummer 149

Seit 1995 sind die manuskripte nicht mehr die Literaturzeitschrift des Forum Stadtpark. Nach meinem Rücktritt als Vorsitzender des Forum Stadtpark geriet dieses in eine finanzielle Krise. Es wurde uns schließlich geraten, unseren Zweigverein "Forum Stadtpark-manuskripte" aufzulösen und einen selbständigen Verein zu gründen, der finanziell unabhängig war.
Die Abkoppelung vom Forum, das inzwischen renoviert und ausgebaut worden ist und mit neuen Leuten erfolgreich einen neuen Weg geht, hat die Autoren nicht in zwei Lager getrieben, die geplante Gegenzeitung verdorrte, der Übereifer und Ehrgeiz des Veränderers versank in ein Pamphlet. Die geistige Nahrung, die noch ein oder zwei Germanisten, daraus saugen, sind ohne Quellen geschriebene Freundschaftsdienste. 
Aber wie verschwindend sind diese privaten Amokläufe gegen das, was wir, abhängig von Subventionen und einem Staat, der nicht nur sparen will oder muß, sondern dessen andere Regierungshälfte der Kunst ihr Anderssein austreiben will, zu erwarten haben. Die Dokumentation soll nicht die Befürchtung (wer würde es schon befürchten?) ausdrücken, daß Resignation die Kunst in diesem Land zerstören wird. Ihre Zerstörer waren fast die ganze Zeit über am Werk - siehe den Abschnitt Pornografie.

Gefordert ist für das Kommende, daß man gemeinsamer die Hürden wegräumen muß, die man errichtet hat, um den von den Sparefrohs verführten Bürgern vorzuführen, daß die Kunst den Regierenden zu gehorchen hat. Es fällt uns immer schwerer, denen Dank zu sagen, die nicht die innerösterreichischen Sanktionen gut heißen, die weitaus wirksamer, blinder und wegen der versuchten Machtsteigerungen gefährlicher sind, als jene europäischen. 
In diese Dokumentation eingearbeitet ist der Ausstellungskatalog aus dem Jahre 1995, der kurze Abriß der Geschichte des Forums und der manuskripte von Gisela Bartens. Er ist seither auch zu einem Dokument geworden. Vieles aus dem Archiv ist hinzugekommen, viel viel mehr wartet auf die Aufarbeitung. Aber das soll nicht unsere Arbeit allein sein.

Im November treffen sich über 60 Autoren der manuskripte im Grazer Schauspielhaus. Elfriede Jelinek erhält den manuskripte- Preis, Michael Scharang spricht die Laudatio, eine umfang- reiche Nummer 150 wird erscheinen, Arbeiten verschiedener Autoren geben Anlaß zur Hoffnung, daß man gesteigert weiter zusammenfindet.
Unter den Eingeladenen sind auch Herausgeber anderer österreichischer Literaturzeitschriften. Ich glaube, daß wir gut zusammengearbeitet haben, fast könnte man sagen, es ist uns auch nichts anderes übriggeblieben. Otto Breicha mit den Protokollen hat ein Mahnmal errichtet, das uns verpflichtet. 
Das Vergangene kann uns einigermaßen freuen, wie es weitergehen wird, wissen wir nicht. Denn uns werden vorerst Grenzen aufgezeigt. Es geht die Angst um, wie nie in den Jahren zuvor. Ein geschrumpftes Kulturbudget wird besonders uns Herausgeber schwer belasten, die Herausgeber insofern besonders, als sie die kritischen Stimmen sammeln, also offen agieren. 

Es würde sich lohnen, auszurechnen, wohin das Geld der öffentlichen Hand, die uns Geld aus dem allgemeinen Steuer- topf weitergibt, eigentlich geflossen ist. Die Autoren haben es kaum bekommen, eher einige Essayisten und die unterbezahlten Übersetzer. Eine Arbeitskraft, Spesenersätze für die Redakteure, die Papierindustrie, die Druckerei, das Porto, erhielten 90 Prozent der staatlichen Zuwendung.
Die manuskripte werden weiterhin von mir und Günter Waldorf herausgegeben, die redaktionelle Arbeit teile ich mit Rainer Götz, unsere Geschäftsführerin ist Elisabeth Ulbrich.

Alfred Kolleritsch

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